Kitty, Daisy & Lewis: Smoking in Heaven (2011; Sunday Best)

Albumbesprechung: Kitty, Daisy & Lewis: Smoking in Heaven, 2011, Sunday Best

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder von Musikern irgendwann in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. So verwundert es auch nicht, dass die Sprösslinge von Graeme Durham, Masteringingenieur bei den in London ansässigen The Exchange Mastering Studios, und Ingrid Weiss, die früher Schlagzeug bei den Raincoats gespielt hat, Musik machen. Und doch ist bei den Durhams alles ein bisschen anders.

Kitty Daisy & Lewis machen keinen Plastikpop. Stattdessen spielen sie eine Mischung aus Rock ’n’ Roll, Rhythm and Blues, Swing, Country – eben aus allem, was ihnen gefällt. Die drei folgen keinem detailliert geplanten, multimedialen Marketingplan, sondern ihrer Leidenschaft und einem musikalischen Selbstverständnis längst vergangener Zeiten. Das zeigt sich in den Genres, die sie bedienen, aber auch in der Wahl analoger Aufnahmetechnik, die in einem warmen, irgendwie heimeligen Klang resultiert.

Als die Geschwister 2005 ihre erste Single veröffentlichen, ist Kitty, die jüngste, gerade einmal zwölf Jahre alt. Damals wie heute wechseln Kitty, Daisy und Lewis sich beim Singen und an den Instrumenten, von denen alle drei diverse beherrschen, ab, ihr Vater begleitet sie auf der Gitarre, ihre Mutter am Kontrabass.

Nachdem auf dem selbstbetitelten Debutalbum von 2008 größtenteils Coverversionen vertreten waren, erschienen 2011 auf Smoking in Heaven 10 Lieder und drei Instrumentalstücke, die allesamt aus der Feder der Geschwister – teilweise unter Mitwirkung der Eltern – stammen. Ihren musikalischen Wurzeln bleiben sie dabei treu, vor allem dem Rock ’n’ Roll und Rhythm and Blues, doch auch neue Einflüsse gesellen sich dazu. So zeigen sich schon im ersten Lied des Albums, Tomorrow, Ska-Anklänge, die sich auch im als Vorab-Single erschienenen I’m so sorry wiederfinden.

Während Kitty, Daisy & Lewis fröhlich von Genre zu Genre springen und dabei spielend musikalische Grenzen überwinden, bleiben die Texte einfach. Meist geht es um Liebe – aktuelle, verflossene, Glück, Leid. Besonders amüsant wird das Thema übrigens bei I’m coming home umgesetzt, wenn Lewis voller Inbrunst zu seinem „honey baby“ singt. Doch die Texte erscheinen ohnehin beinahe unwichtig, wenn sich ein Album durch so viel Charme und Authentizität auszeichnet wie Smoking in Heaven.

Durchgehend klingen die Nummern des Geschwistertrios wie altbekannte Klassiker der 1940er und ‑50er Jahre, obwohl sie doch erst Anfang des aktuellen Jahrzehnts entstanden sind. Einzig Messing with my life wirkt überraschend modern: Hier finden sich Motown-Klänge, aber auch Einflüsse von Popmusik der 2000er Jahre. Sicher, über Geschmack lässt sich streiten, aber diese eingängige Nummer mit Ohrwurmpotential ist einer meiner persönlichen Höhepunkte des Albums.

Durch die ständige Abwechslung von Musikrichtungen und Geschwindigkeiten entsteht eine ganz eigene Dynamik, auch getragen davon, dass die drei ihre Instrumente und das Mikrofon von Lied zu Lied rotieren.  An einigen Stellen übertreibt das Geschwistertrio es dann aber damit, seine Virtuosität zu demonstrieren. Insbesondere die Instrumentalstücke What Quid? und das titelgebende Smoking in Heaven werden nach der fünften Minute etwas langatmig – jedoch nie langweilig.

Smoking in Heaven ist ein Album für jede Gelegenheit. Es macht einfach Freude, ob man es nun frühabends im Wohnzimmer oder auf dem Balkon hört oder es im Hintergrund laufen lässt, wenn Freunde zu Besuch sind. Auch beim Arbeiten ist es der perfekte Begleiter: Zurzeit läuft es oft, während ich für geschmacklich flexibel schreibe, denn der konstant lebendige, treibende Rhythmus motiviert ohne unnötig nervös zu machen.

Ich lege Smoking in Heaven allen ans Herz, die sich in den Genres heimisch fühlen, welche Kitty, Daisy & Lewis bedienen, also vor allem Rock ’n’ Roll und Rhythm and Blues. Das Album ist aber auch etwas für Pophörer mit einer Schwäche für Retroklänge, wie sie sich beispielsweise bei Amy Winehouse fanden – obwohl die musikalischen Wurzeln von Kitty, Daisy & Lewis wesentlich deutlicher erkennbar sind, insbesondere in der wunderbaren Instrumentalisierung. Und weil auf Smoking in Heaven für so  viele Vorlieben etwas geboten ist, gibt es kaum ein besseres Album für meine erste Musikbesprechung auf (man höre und staune) geschmacklich flexibel.

Und obwohl ich hier am liebsten jedes einzelne Lied von Smoking in Heaven präsentieren würde, beschränke ich mich zunächst auf das aus Kittys Feder stammende You’ll be sorry:

Quellen:

Sunday Best: Kitty, Daisy & Lewis (Link)

Sunday Best: Kitty, Daisy & Lewis – Smoking in Heaven (Link)

AllMusic (Link)

laut.de (Link)

Bildquelle: Sunday Best (Link; Größe verändert)

 

2 Kommentare zu „Kitty, Daisy & Lewis: Smoking in Heaven (2011; Sunday Best)

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